Badu.

Badu.

 

Es war schon ein bisschen lila angelaufen. Aber Emefa wusste, dass es gleich schreien würde. Ein lautes Zischen aus der Küche. Schnell trennte sie die Nabelschnur und rannte in die Küche um den Topf vom Feuer zunehmen. Das Kind schrie. Nachdem sie den Tisch für ihre 14-köpfige Familie gedeckt hatte, ging sie zurück in das kleine Zimmer ohne Fenster, wo neben einem Fass ein Kind lag, das darauf wartete gestillt zuwerden. Noch bevor Emefa sah, dass es ein Junge war, hatte sie schon entschieden, dass es Badu heißen würde. So hatte sie es mit all ihren Kindern gemacht. Badu heißt 10.Geborener. Und genau das war er. Einer von 10 und sicher nichts Besonderes mehr.

 

Badus’ Familie lebte in einem kleinen armen Dorf Afrikas. Es war so klein, dass es nicht mal einen Brunnen gab. Deswegen war es Aufgabe der Kinder, am Morgen in das Nachbardorf zulaufen um dort Wasser für die Familie zuholen. Allerdings machte keines der Kinder diese Aufgabe gern. Keines außer Badu. Es war die einzige Möglichkeit für ihn, das mit einem Holzzaun abgetrennte Dorf, zuverlassen. Sein Urgroßvater hatte den Zaun mit den anderen Männern des Dorfes vor vielen Jahren als Schutz vor wilden Tieren gebaut. Seit dem durften Kinder das Dorf nicht mehr ohne Begleitung verlassen. Nur wenn es darum ging, Nahrungsmittel zu besorgen oder schwere, vollgefüllte Körbe zum Markt in der nächsten großen Stadt zutragen, dann sahen sie alle weg.

 

Bis zum nächsten Dorf waren es 10 km. Badu liebte es, in dieser Zeit ganz allein zusein. Am liebsten machte er beim Laufen die Augen zu, lauschte der Stille und stellte sich vor, wie die heißen spitzen kleinen Steinchen unter seinen Füßen zu langem grünen Gras wurden. Sein Onkel hatte so was mal gesehen und ihm davon erzählt. Badu liebte seinen Onkel sehr. Er war für ihn ein Held. Badu war sich ganz sicher, dass sein Onkel bereits die ganze Welt gesehen hatte und dass es niemanden gab, der so schlau war wie er. Manchmal, an besonders heißen Tagen, machte Badu kleine Pausen auf seinem Weg. Dann legte er sich auf den Boden starrte in den Himmel und dachte „Some day I’m going to try to fly high“, denn er war sich sicher, dass er vom Himmel aus auch irgendwo grünes Gras sehen würde.

2 Kommentare 13.8.08 20:37, kommentieren

Kleine Zwischenfälle. ♥

einsam saß sie da
günther sagte “na.. hat werner wohl die zeit vergessen?”
meine mutter schwieg und nickte stumm
er gab ihr einen aus
dann wollt sie nach haus - pünklich sein zum abendessen
günther sagte:” komm, ich fahr dich rum”

wo ist der tiefere sinn,
wenn ich doch bloß geboren bin
weil die karre von günther liegen blieb

denker und genies
intellektuelle
sport und politik
und auch kriminelle
ganz rom, berlin, paris
wir sind ursprünglich nur
kleine zwischenfälle.

werner wollte los
und er dachte bloß “nicht wieder die zeit vergessen!”
diese frau ist einfach wunderbar
wenig zeit zum lieben
denn sie muß um sieben pünklich sein zum Abendessen
seine mutter sagt: “heut bleibst du da!”

wo ist der tiefere sinn
wenn ich doch bloß geboren bin
weil die mutter von werner ´n arschloch war

auch der typ da vorn
an der haltestelle
drüben diese frau
mit der dauerwelle
alle da im stau
sind ursprünglich nur
kleine zwischenfälle

denker und genies
intellektuelle
sport und politik
ganze pressebälle
rom, berlin, paris
wir sind ursprünglich nur
kleine zwischenfälle

© Annett Louisan

27.6.08 21:45, kommentieren